Millionen im Becken versenkt.
Aktualisiert: vor 3 Tagen
Der neue Spa sieht auf der Visualisierung perfekt aus. Die Wahrheit zeigt sich nach dem dritten Saunagang.
Neunzig Grad. Zwölf Minuten. Sie treten aus der Sauna und suchen das kalte Wasser.
Ein langer Gang. Kalte Fliesen. Eine Glastür, die nur mit Zimmerkarte aufgeht. Sie stehen nass im Bademantel davor, draußen ist Winter. Dahinter ein Tauchbecken, so groß wie eine Badewanne. Der Teich im Garten: nur mit Badehose.
Dann die Liege. Die freien stehen im Durchgang, wo es zieht. Im Ruheraum Sitzsäcke und Designerliegen, auf denen niemand ruht. Aus den Lautsprechern dudelt Musik, über allem liegt Chlorgeruch.
Die Massage? Im Keller. Ohne Fenster.
Die Szene ist erfunden, aber jedes Detail kommt in der Praxis immer wieder vor.
Millionen verbaut, am Gast vorbei
In knapp 20 Jahren Hotelbewertung habe ich gelernt: Architektur allein macht kein gutes Spa. Inszenierte Erlebniswelten beeindrucken beim ersten Blick und nerven beim zweiten. Was zählt, sind Abläufe. Und genug Liegen: als Faustregel mindestens eine für jeden dritten Gast.
Wer in Fläche investiert und die Abläufe vergisst, kauft sich teuer sehr wenig.
Der Architekt baut, was bestellt wird
Das ist kein Vorwurf an Architekten. Aber der Gast erlebt keinen Grundriss. Er erlebt eine Abfolge: schwitzen, abkühlen, frische Luft, ruhen. Drei-, viermal am Abend. Wer branchenfremd plant, kennt diese Abfolge nicht. Wer seit Jahren im Haus arbeitet, sieht sie nicht mehr.

Symbolbild (KI-generiert)
Fünf Fragen vor dem ersten Plan
Wie viele Schritte sind es von der Saunatür ins kalte Wasser?
Gibt es frische Luft, Wasser im Freien und eine Möglichkeit, im Freien zu schwimmen?
Gehen alle Türen im Spa ohne Karte auf?
Gibt es echte Liegen für ein Drittel der Gäste, abseits der Durchgangswege?
Was davon ist Schnickschnack, der Geld kostet und keinem Gast fehlt?
Erst prüfen, dann bauen
Ich prüfe Ihr Haus anonym, als Gast, Saunagang für Saunagang. Daraus entsteht keine Wunschliste, sondern ein Prüfauftrag für den Architekten: Was muss der neue Spa leisten, und was kann weg?

Symbolbild (KI-generiert)
Der Gast zahlt nicht für Quadratmeter. Er zahlt für den Moment nach dem dritten Saunagang.
Eva Maria Moser-Werner, Gründerin EMPACTS
Sie planen einen neuen Spa? Erstgespräch anfragen, bevor der erste Plan gezeichnet wird.



Kommentare